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Siebenbürger Sachsen feiern Kronenfest: Stamm vorher mit Öl eingeschmiert (Presseschau)


Merkur | Von: Andreas Sachse


Die Kreisgruppe München der Siebenbürger Sachsen trifft sich jedes Jahr in Riedmoos zum traditionellen Kronenfest. Diesmal hatte ein Scherzbold den acht Meter hohen Stamm mit Öl eingeschmiert.



Unterschleißheim – Mal eben in die Hände gespuckt, und schon ist er oben. Philipp Spielhaupter weiß, was zu tun ist. Den acht Meter hohen Stamm erklimmt er in Nullkommanix. Unten, am Boden, bricht sich derweil allerlei Kindergeschrei Bahn. Aus der mit Wiesenblumen und Laub geschmückten Krone lässt Spielhaupter jede Menge Süßigkeiten regnen.

Das Erklimmen der bunt geschmückten Krone ist Höhepunkt des traditionellen Fests der Siebenbürger Sachsen. Jedes Jahr um den Johanni-Tag (24. Juni) und Peter-und-Paul-Tag (29. Juni) herum treffen sich die Mitglieder der Kreisgruppe München in Riedmoos, um das ursprünglich als Erntebitt erkorene Fest gemeinsam zu feiern. In alten Zeiten oblag es dem Altknecht, den glatt geschliffenen, von Rinde befreiten Stamm zu besteigen. So geschieht es auch heuer noch alle Jahre wieder im „Mooser“, der Sportgaststätte in Riedmoos.

Diesmal allerdings hat ein Scherzbold den ohnehin ziemlich glitschigen Stamm zusätzlich mit Öl eingeschmiert. Der nicht von allen hier gutgeheißene Spaß war glücklicherweise aufgeflogen, bevor der Altknecht sich seiner Aufgabe zuwandte. Statt in aller Seelenruhe gemeinsam Kränze zu flechten, anstatt Tanzschritte zu üben, hatten sich Buben und Mädchen der Siebenbürger Sachsen den Morgen über mit Feudeln, Wasser und Seife bewaffnet über den Stamm hermachen müssen.


Die Wurzeln des von den Siebenbürger Sachsen dereinst als Fest der konfirmierten und unverheirateten Jugend begangenen Kronenfests reichen wahrscheinlich sogar auf ein vorchristliches Erbe zurück, in eine Zeit, da die Kelten mit ihren Druiden des Tages der Sonnenwende gedachten.

Es ist ein buntes Fest, voll Musik, farbiger Trachten und fremdländisch anmutenden Klängen. Aber nein, anders als man vielleicht meinen möchte, ist der Dialekt der Siebenbürger Sachsen nicht mit südosteuropäischen Sprachen verwandt. „Klingt wie Letzeburgisch“, ruft Wilhelm Dietrich, der vor langer Zeit mit der Familie aus dem damaligen Hermannstadt (Rumänien) nach Deutschland kam. Also luxemburgisch! Die Ahnen der Siebenbürger Sachsen waren im 12. Jahrhundert aus dem Rhein-Main-Mosel-Gebiet dem Ruf des ungarischen Königs gefolgt, sich an den Grenzen seines Reichs als Puffer gegen Hunnen und Tataren niederzulassen. „Keine so gute Idee, sollte man meinen“, scherzt Dietrich: „aus heutiger Sicht zumindest.“


Mitgebracht aus der überwiegend nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Fall der Mauer hernach verlassenen Heimat, haben die Siebenbürger Sachsen einen bunten Strauß an Traditionen. Ihre Vereinigungen sind Blickfang jedes Gemeindefests, der reinste Augenschmaus.

Nach den Kindertanzgruppen München und Lohhof schwebt die aus Nürnberg angereiste Jugendtanzgruppe durch den Biergarten „Zum Mooser“. Ein Duft von Gehacktem auf dem Grill wabert um die Nase. Es gibt Mici. Rein äußerlich ähnelt Mici dem Cevapcici, wird mit reichlich Senf und Brötchen serviert. „Ist aber viel fluffiger“, verrät Vize-Kreisgruppen-Vorsitzende Heidi Mößner.


Weitere Errungenschaften der Siebenbürger Sachsen sind Baumstriezel, ein Hefegebäck, mit Butter bestrichen und jeder Menge Zucker, das über offenem Feuer gebacken wird. Und natürlich das Siebenbürgerlied, das nun alle an diesem Nachmittag gemeinsam anstimmen: „Siebenbürgen, Land des Segens, Land der Fülle und der Kraft … Land voll Gold und Rebensaft.“



 
 
 

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